Mein Verständnis von Bekehrung

Für einen Kurs im Studium beschäftigte ich mich vertieft mit dem Thema Bekehrung. Wir haben einen kurzen Vortrag über ein Kapitel aus dem Buch von Adolf Schlatter „Der Dienst des Christen“ gemacht. In diesem Kapitel greift Schlatter das Bekehrungsverständnis der Reformatoren auf und zeigt dabei einige Schwachstellen dieses Verständnisses auf. Die grösste Schwachstelle für Schlatter im Verständnis der Reformatoren ist, dass die Bekehrung für diese ein passiver Akt des Menschen ist (Gott wirkt alles in der Bekehrung, der Mensch hat keine Wahl).

Schlatter formuliert im Buch auch sein eigenes Verständnis der Bekehrung. Er ist sich mit den Reformatoren soweit eigentlich einig, dass der Mensch keinen freien Willen hat und sich nicht aus seinem Willen bekehren kann. Dennoch sieht er in der Bekehrung nicht einfach ein passiver Akt. Schlatter geht davon aus, dass Gott uns den guten Willen zur Bekehrung schenkt. Wenn wir dieses Geschenk annehmen, wird der geschenkt Wille untrennbar zu unserem eigenen Willen. Deshalb ist die Bekehrung auch nicht ein rein passiver Akt unsererseits sondern wir können aktiv das Geschenk annehmen oder ablehnen.

Zum Thema der Bekehrung sind mir folgende Punkte wichtig geworden:

  1. Jeder Christ erlebt die Bekehrung anders. Einige erleben es so, dass sie sich aufgrund von Erlebnissen, Verkündigung des Evangeliums für Gott entscheiden. Für einige ist es ein Prozess, bei dem ihr Entscheid wächst (ich denke oft bei Menschen die in einem christlichen Elternhaus aufwuchsen). Bei anderen hingegen bewirkt Gott die Bekehrung ohne grosses Zutun des Menschen. Paulus ist in der Bibel ein solches Beispiel. Weil dies so ist, kann die Bekehrung auch nicht in ein starres Schema gepresst werden.
  2. Bekehrung geschieht niemals als eine Entscheidung unseres Guten Willens. Schlatter schreibt sehr treffend: „Soweit ich sehe, hat noch kein Theologe sein Recht erwiesen, in anderer Weise von seinem guten Wollen zu sprechen, also so, daß er Gott für dasselbe dankte als für das Geschenk seiner erlösenden Gnade.
  3. Das Christsein fängt mit der Bekehrung erst an. Eine Bekehrung ist kein Abschluss sondern der Anfang eines neuen Lebens als Christen. Die Bekehrung (wie sie auch immer geschieht) ist der erste Schritt für ein Leben mit Gott. Die Bekehrung macht uns zu Nachfolgern von Jesus. Die Nachfolge ist ein lebenslanger Prozess.

Sehr interessante Gedanke über die Bekehrung könnt ihr neben dem obengenannten Buch auch hier (Vries-Land.de) finden.

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