Gesunde Selbsteinschätzung

Ich rufe daher aufgrund der Vollmacht, die Gott mir in seiner Gnade gegeben hat, jeden Einzelnen von euch zu nüchterner Selbsteinschätzung auf. Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist. Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat.

Römer 12, 3 Neue Genfer Übersetzung

Paulus fordert hier die Gemeinde in Rom zur nüchternen Selbsteinschätzung auf. Die Menschen sollen von sich selbst nicht höher denken, als es angemessen ist. Der Massstab soll der Glaube sein. Was meint Paulus damit? Wenn wir den Text im Zusammenhang mit den folgenden Versen lesen, sehen wir, dass es nicht um das Mass am Heilsglauben geht, sondern und die Geistesgaben. Es geht nicht darum, dass die Einen von uns mehr Glaube als die anderen haben, sondern darum, dass wir alle unterschiedliche Gaben in einem unterschiedlichen Mass erhalten haben. Nach seiner freien Gnade teilt Gott uns Menschen Gaben zu.

Was bedeutet eine gesunde Selbsteinschätzung für mich? Auf der einen Seite geht es darum, nicht zu hoch von mir selbst zu denken. Ich habe nicht alle Gaben selbst erhalten und brauche Ergänzung von anderen. Gerade als Pfarrer ist das für mich eine Herausforderung: Ergänzung anzunehmen und nicht das Gefühl zu haben, ich bin der Profi, ich kann (und muss es auch können) alles alleine machen. Ich bin Seelsorger, Evangelist, Hirte, Prophet, Lehrer, Organisator, Musiker, … alles in einem. Eine gesunde Selbsteinschätzung heisst für mich, zu wissen: Ich bin nicht das einzige Glied am Leib. Ich muss nicht alles selbst können. Ich brauche Ergänzung.

Auf der anderen Seite heisst eine gesunde Selbsteinschätzung aber auch, zu seinen Gaben zu stehen. Dazu muss ich als erstes meine Gaben kennen. Es gilt zu entdecken, in welchem Mass und welchen Bereichen Gott mir Gaben geschenkt hat. Die Gaben von denen ich weiss, die will ich fröhlich einsetzen und Gott durch mich wirken lassen. Wer Gaben von Gott erhalten hat (und das hat jeder, der zu Jesus gehört, auch du) kann Grosses im Glauben vollbringen. So schreibt Paulus dann auch in den folgenden Versen, dass wir unsere Gaben auch einsetzen sollen. Wer eine prophetische Gabe hat, der soll diese in Übereinstimmung mit dem Glauben gebrauchen. Wer die Gabe des Dienens hat, der diene, wer seelsorgerliche Gaben hat, der soll sich diese auch einsetzen.

Die Aufforderung zur gesunden Selbsteinschätzung ist nicht eine Forderung zu einem gemähchlichen Leben als Christen mit angezogener Handbremse. Dies ist ein falsches Verständnis dieses Textes. Der Text will uns vielmehr aufzeigen, wie wichtig es ist, unsere Gaben zu kennen. Wer meint, alles selbst am Besten zu können, der ist nicht effektiv. Denn überall dort, wo er anpackt, obschon es gar nicht seine Gabe ist, gleicht er einer Ente, die auf dem Teer watschelt. Das geht schon, aber es ist anstrengend und sieht nicht sehr elegant aus. Wer aber dort anpackt, wo er seine Gaben hat, der gleicht einer Ente auf dem Wasser. Er ist im Element, sein Dienst ist hocheffizient. Es braucht weniger Kraft und sieht auch besser dabei aus 😉

Eine gesunde Selbsteinschätzung bewahrt und für Überheblichkeit und dem Denken, ich kann alles allein. Sie bewahrt uns aber auch davon, zu klein von uns zu denken. Gott selbst hat Gaben in uns gelegt. Wenn wir diese gebrauchen geht die Post ab. Wir brauchen uns nicht mit anderen zu vergleichen, weil wir ein anderes Mass an den Gaben haben als unsere Helden im Glauben. Lasst uns treu sein, mit den Gaben die Gott uns schenkt!

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