Stark durch Freude

„Die Freude am HERRN ist eure Stärke“, so lesen wir in Nehemia 8,10. Bei einer Festversammlung wies Esra das Volk an, nicht bekümmert zu sein, sondern voll Freude. Dies obschon es Grund zur Traurigkeit gab.

Als Christen im Jahr 2017 stehen wir auch vor vielfachen Herausforderungen. Es gibt auch heute in unserem Leben Grund zur Traurigkeit. Vieles läuft auch heute in unseren christlichen Gemeinden nicht gut. Neben wachsenden Gemeinden gibt es auch viele Gemeinden die stagnieren oder sogar schrumpfen.

„Fröhlich kleiner werden und dabei wachsen wollen“, so lautet der Titel eines Artikels von Axel Noack im Idea. Er schreibt, dass unser eigentliches Problem als Kirchen nicht ist, dass wir kleiner werden, sondern dass wir uns von einer Haltung der Resignation prägen lassen: „Denn im praktischen Gemeindealltag geht es um die Frage, wie wir trotz der Situation, in der wir leben, fröhliche Christen bleiben können […] und die Freudenbotschaft des Evangeliums nicht verdunkelt und umwölkt wird von unseren Sorgen und Problemen.“

Trotz sinkenden Mitgliederzahlen haben wir allen Grund uns zu freuen. Statt zu resignieren wollen wir den Wunsch zu wachsen, nicht aufgeben. Denn, so schreibt Noack, wirklich gefährdet ist nur die Kirche, die den Wunsch wachsen wollen aufgegeben hat. Darum lasst uns fröhlich kleiner werden und dabei wachsen wollen. Denn die Freude am HERRN ist unsere Stärke.

Erfrorene Kartoffeln – oder was ist mir wirklich wichtig?

Letzte Woche hatten wir zwei Nächte mit strengem Frost. Gestern stellte ich fest, dass unsere Frühkartoffeln, trotz schützender Folie erfroren sind. Das ganze, schon schön gewachsen Kraut ist eingegangen. Ich habe keine Ahnung ob da noch etwas wächst?

Da ich mir sehr an den schon gewachsenen Kartoffeln freute, war ich gestern enttäuscht. Am Abend hörte ich in den Nachrichten von der Situation in Venezuela. Das Land versinkt im Chaos, Kinder leiden Hunger und Menschen sterben. Heute dann hörte im Radio, dass heute Weltmalariatag ist (https://www.swissmalariagroup.ch/de/). Alle zwei Minuten stirbt ein Kind an Malaria weltweit. Eigentlich könnte man das verhindern.

Mir ist dabei die Geschichte von Jona in den Sinn gekommen. Der Prophet bekam von Gott einen Auftrag, den er nicht ausführen wollte. Er sollte zu den Feinden gehen und in der grossen Stadt Ninive die Menschen zur Umkehr aufrufen. Jona wollt das nicht, und so reiste er in die entgegensetzte Richtung. Das kam aber ziemlich schief raus. Ihr kennt die Geschichte. Im Bauch eines grossen Fisches wird er zurück an die Küste gebracht. Und so geht er (wohl ziemlich nach Fisch stinkend) doch nach Ninive. Dort hält er die unmotivierteste Predigt, von der Bibel berichtet, die aber grosse Auswirkung hatte. Die Menschen kehren um. Sie bereuen ihr gottloses Leben.

Das passte dem Jona gar nicht in den Kram. Er wurde zornig über Gott, der diesem Volk gnädig war. Ausserhalb der Stadt schmollte der Prophet im Schatten eines Busches. Dieses schattige Plätzchen erfreute den Propheten. Aber da kam ein Wurm und frass die Wurzeln der Pflanze an un diese verdorrte. In der prallen Sonne sagte Jona: „Ich möchte lieber tot sein als  leben.“Da sagte Gott zu seinem Propheten:

»Dir tut es Leid um den Busch, obwohl du nichts getan hast, um ihn entstehen zu lassen. Er wuchs in einer Nacht und verging über Nacht. Ninive aber hat über 120.000 Einwohner, die nicht zwischen links und rechts unterscheiden können, ganz zu schweigen von den vielen Tieren. Sollte ich eine so große Stadt nicht schonen?«
Jona 4,10-11 Neues Leben Übersetzung

Mit dieser Frage hört übrigens das Buch Jona auf. Jona gibt keine Antwort. Gott gibt auch uns diese Frage mit auf dem Weg: Was ist dir wirklich wichtig?

Mich reuen ein paar Kartoffeln, die ich (wohl zu früh) gepflanzt haben.  Sollten mich nicht andere Dinge mehr reuen?

Lasse ich mich noch von Schicksal von hungernden Kindern berühren oder sinne ich mehr über Kartoffeln nach, die erfrieren?

 

Gesunde Selbsteinschätzung

Ich rufe daher aufgrund der Vollmacht, die Gott mir in seiner Gnade gegeben hat, jeden Einzelnen von euch zu nüchterner Selbsteinschätzung auf. Keiner soll mehr von sich halten, als angemessen ist. Maßstab für die richtige Selbsteinschätzung ist der Glaube, den Gott jedem in einem bestimmten Maß zugeteilt hat.

Römer 12, 3 Neue Genfer Übersetzung

Paulus fordert hier die Gemeinde in Rom zur nüchternen Selbsteinschätzung auf. Die Menschen sollen von sich selbst nicht höher denken, als es angemessen ist. Der Massstab soll der Glaube sein. Was meint Paulus damit? Wenn wir den Text im Zusammenhang mit den folgenden Versen lesen, sehen wir, dass es nicht um das Mass am Heilsglauben geht, sondern und die Geistesgaben. Es geht nicht darum, dass die Einen von uns mehr Glaube als die anderen haben, sondern darum, dass wir alle unterschiedliche Gaben in einem unterschiedlichen Mass erhalten haben. Nach seiner freien Gnade teilt Gott uns Menschen Gaben zu.

Was bedeutet eine gesunde Selbsteinschätzung für mich? Auf der einen Seite geht es darum, nicht zu hoch von mir selbst zu denken. Ich habe nicht alle Gaben selbst erhalten und brauche Ergänzung von anderen. Gerade als Pfarrer ist das für mich eine Herausforderung: Ergänzung anzunehmen und nicht das Gefühl zu haben, ich bin der Profi, ich kann (und muss es auch können) alles alleine machen. Ich bin Seelsorger, Evangelist, Hirte, Prophet, Lehrer, Organisator, Musiker, … alles in einem. Eine gesunde Selbsteinschätzung heisst für mich, zu wissen: Ich bin nicht das einzige Glied am Leib. Ich muss nicht alles selbst können. Ich brauche Ergänzung.

Auf der anderen Seite heisst eine gesunde Selbsteinschätzung aber auch, zu seinen Gaben zu stehen. Dazu muss ich als erstes meine Gaben kennen. Es gilt zu entdecken, in welchem Mass und welchen Bereichen Gott mir Gaben geschenkt hat. Die Gaben von denen ich weiss, die will ich fröhlich einsetzen und Gott durch mich wirken lassen. Wer Gaben von Gott erhalten hat (und das hat jeder, der zu Jesus gehört, auch du) kann Grosses im Glauben vollbringen. So schreibt Paulus dann auch in den folgenden Versen, dass wir unsere Gaben auch einsetzen sollen. Wer eine prophetische Gabe hat, der soll diese in Übereinstimmung mit dem Glauben gebrauchen. Wer die Gabe des Dienens hat, der diene, wer seelsorgerliche Gaben hat, der soll sich diese auch einsetzen.

Die Aufforderung zur gesunden Selbsteinschätzung ist nicht eine Forderung zu einem gemähchlichen Leben als Christen mit angezogener Handbremse. Dies ist ein falsches Verständnis dieses Textes. Der Text will uns vielmehr aufzeigen, wie wichtig es ist, unsere Gaben zu kennen. Wer meint, alles selbst am Besten zu können, der ist nicht effektiv. Denn überall dort, wo er anpackt, obschon es gar nicht seine Gabe ist, gleicht er einer Ente, die auf dem Teer watschelt. Das geht schon, aber es ist anstrengend und sieht nicht sehr elegant aus. Wer aber dort anpackt, wo er seine Gaben hat, der gleicht einer Ente auf dem Wasser. Er ist im Element, sein Dienst ist hocheffizient. Es braucht weniger Kraft und sieht auch besser dabei aus 😉

Eine gesunde Selbsteinschätzung bewahrt und für Überheblichkeit und dem Denken, ich kann alles allein. Sie bewahrt uns aber auch davon, zu klein von uns zu denken. Gott selbst hat Gaben in uns gelegt. Wenn wir diese gebrauchen geht die Post ab. Wir brauchen uns nicht mit anderen zu vergleichen, weil wir ein anderes Mass an den Gaben haben als unsere Helden im Glauben. Lasst uns treu sein, mit den Gaben die Gott uns schenkt!